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BfR empfiehlt niedrigere Höchstmengen für den Übergang von
Blei und Cadmium aus Keramikgegenständen in Lebensmittel
Farbige Glasuren von Keramikgeschirr können Schwermetalle wie Blei oder
Cadmium enthalten. Beim Kontakt mit Nahrungsmitteln können diese giftigen
Stoffe in unterschiedlichem Maße aus der Keramik herausgelöst werden. Welche
Mengen an Blei und Cadmium aus der Keramik in die Lebensmittel übergehen,
hängt neben der Qualität der Glasur im wesentlichen von der Temperatur ab,
mit der die Keramik gebrannt wurde, sowie von der Art des Lebensmittels und
der Dauer des Kontakts. Die europäische Richtlinie, welche die Abgabe von
Blei und Cadmium aus Keramik regelt, wird derzeit überarbeitet. Aus diesem
Anlass hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die geltenden
Höchstmengen überprüft.
„Gesundheitsgefährdungen durch extreme Bleiaufnahmen über Lebensmittel, die
längere Zeit in bleilässigen Keramikgefäßen aufbewahrt wurden, können auch
heute nicht völlig ausgeschlossen werden“, sagt BfR-Präsident Professor Dr.
Dr. Andreas Hensel. Selbst bei Einhaltung der geltenden Regelungen können
unter bestimmten Umständen Schwermetallmengen aus der Keramik an
Lebensmittel abgegeben werden, die insbesondere für Blei als nicht mehr
sicher zu bewerten sind. Das BfR empfiehlt deshalb eine Absenkung der
gesetzlichen Höchstmengen für die Abgabe von Blei und Cadmium aus
Keramikgegenständen. Verbraucher sollten Lebensmittel nicht über längere
Zeit in Keramikgefäßen aufbewahren.
Aus Keramikgefäßen, die die erlaubte Abgabemenge für Blei ausschöpfen,
können an die Lebensmittel bis zu 4 Milligramm Blei pro Liter (mg/L)
abgegeben werden. Damit kann die Bleiaufnahme – je nach Berechnungsmodell -
den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) abgeleiteten Wert für die
vorläufige tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (PTWI) von 0,025
Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht (mg/kg KG) und Woche zum Teil
erheblich überschreiten. „Auch wenn davon auszugehen ist, dass derart hohe
Überschreitungen weder täglich noch lebenslang vorkommen, handelt es sich um
zusätzliche und vor allem vermeidbare Belastungen“, so Hensel.
Ähnliches gilt laut BfR für das Schwermetall Cadmium, wobei dort die
Überschreitungen des PTWI von 0,007 mg/kg KG und Woche deutlich niedriger
ausfallen. Dennoch gibt es Personengruppen, die schon aufgrund ihrer
Verzehrs- und Lebensgewohnheiten den Grenzwert für Cadmium nahezu
ausschöpfen. Jede zusätzliche Aufnahme, wie etwa über Keramikgeschirr,
sollte deshalb vermieden werden. Das Institut kommt zu dem Schluss, dass bei
einer Beibehaltung der bisherigen Höchstmengen für den Übergang von Blei und
Cadmium aus Keramikgegenständen auf Lebensmittel in Einzelfällen
Aufnahmemengen resultieren können, die insbesondere für Blei nicht mehr als
sicher anzusehen sind. Offen bleibt zwar, wie viele Verbraucher wie häufig
von solch hohen Schwermetallaufnahmen betroffen sind. Insbesondere im
Hinblick auf die Empfindlichkeit von Kindern empfiehlt das BfR aber, die
Höchstwerte für die Abgabe von Blei und Cadmium aus Keramik zu senken.
Blei ist ein natürlich vorkommendes Schwermetall, das in der Umwelt, nicht
zuletzt durch industrielle Prozesse, weit verbreitet ist. Es gehört zu den
starken Umweltgiften und reichert sich im Organismus an. Blei ist als Zusatz
in zahlreichen Produkten wie Batterien, manchen Farben, Glasuren bis hin zu
Kosmetikartikeln zu finden. Beim üblichen Gebrauch von Keramikgegenständen
ist nicht davon auszugehen, dass täglich oder sogar lebenslang die maximal
möglichen Bleimengen aufgenommen werden. Werden insbesondere saure
Lebensmittel aber längere Zeit in schwermetalllässigen Keramikgefäßen
aufbewahrt, kann die herausgelöste Bleimenge kritische Werte erreichen.
Bleivergiftungen durch Fruchtsäfte, die in bleilässigen Keramik-Krügen
aufbewahrt wurden, kommen auch heute noch vor.
Akute Bleivergiftungen äußern sich unter anderem durch Erbrechen,
Darmkoliken, Verstopfung bis hin zum Nierenversagen. Kinder sind besonders
gefährdet, da der Körper im Entwicklungsstadium noch empfindlicher auf Blei
reagiert. Bei ihnen kann eine erhöhte Bleibelastung irreversible
Nervenschäden bis hin zu Störungen der Hirnfunktionen verursachen.
Chronische Vergiftungen gehen mit Schwächegefühl, Appetitlosigkeit,
Nervosität oder Abmagerung einher.
Cadmium ist wie Blei ein Schwermetall, das in geringen Mengen weit
verbreitet vorkommt. Cadmium und seine Verbindungen in Form von Stäuben und
Aerosolen sind als krebserregende Stoffe eingestuft. Außer in Batterien wird
das Metall hauptsächlich in Farbpigmenten und zur Herstellung von
Kunststoffen verwendet. Auch Cadmium reichert sich über die Nahrungskette im
Körper an, wo es sich in Leber und Niere konzentriert. Einmal vom Körper
aufgenommenes Cadmium wird nur sehr langsam wieder ausgeschieden.
Cadmiumvergiftungen äußern sich zunächst in Form von Durchfall und
Erbrechen. Sie können zu Leber- und Herzschädigungen, Nieren- und
Kreislaufversagen führen. Bei geringen Dosen, die über einen längeren
Zeitraum auf den Mensch einwirken, zeigen sich eher unspezifische Symptome
wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und neurologische Störungen. [08/2005,
11.03.2005]
Dokumente: *
Blei und Cadmium aus Keramik (Aktualisierte Stellungnahme Nr. 023/2005 des
BfR vom 07.06.2005) PDF-Datei 143.5 KB ^
Quelle: BfR
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